Aufzucht der Jungtiere


Wie werden aus kleinen Grünen Leguanen gesunde große Grüne Leguane ?

 

Wenn man einige wichtige Regeln beachtet, dann ist die Aufzucht der Jungtiere von Iguana iguana meiner persönlichen Meinung und bisherigen Erfahrung nach eher "kein großes Hexenwerk".

Jungtier v. Iguana iguana (eigene NZ)
Frisch geschlüpftes Jungtier v. Iguana iguana (eigene NZ)

 

Man hört ab und zu, dass die Aufzucht von Grünen Leguanen doch schon viel Erfahrung erfordern würde und daher nur etwas für erfahrene Terrarianer wäre.

 

Nicht selten und kurioserweise stammen solche Aussagen von Leuten, die Iguana iguana selbst noch nie nachgezüchtet und somit auch noch nie Jungtiere davon aufgezogen haben :-). Das sehe ich also etwas anders  – für eine erfolgreiche Aufzucht dieser Echsen man muss aber nichtsdestotrotz schon auch einige Grundregeln beachten.

 

Zunächst einmal benötigt man ein geeignetes Terrarium. Meine jungen Grünen Leguane setze ich ins eigens dafür gedachte Aufzuchtterrarium

(Maße: 100x95x230 cm – LBH).

 

Die Einrichtung besteht aus diversen Kletterästen, Zierkorkrindenstücken, einer Schale (Durchmesser ca. 16 cm, Höhe ca. 3 cm) fürs Futter (angebracht in ca. der halben Höhe des Terrariums - also in einer Höhe von ca. 110 cm) und aus einer Schale mit frischem Trinkwasser – diese Schale dient den Jungtieren dann auch gleichzeitig als „Badebecken“.

 

Zur Dekoration verwende ich ausschließlich künstliche Pflanzen. Die durchschnittlichen Temperaturen im Terrarium betragen tagsüber ca. 28 - 32 °C und sinken nachts auf 

ca. 23 - 25 °C. Das erreiche ich mit Hilfe des im Terrarium eingebauten Ölradiators (siehe Kapitel "Haltung").

 

Durch die Installation von Reflektorstrahlern (Repti Basking Spot Lamp von ZooMed 

à 100 Watt bzw. "normale" PAR38-Reflektorstrahler à 80W) habe ich auch im Aufzuchtterrarium für die Bereitstellung von „Sonneninseln“ gesorgt.

 

Die Temperatur steigt hier punktuell auf bis zu 45°C an.

 

Die sonstige Terrarienbeleuchtung besteht aus vier Leuchtstoffröhren (Philips TLD 18 W/25, Länge 600 mm) und aus einem Osram Ultra-Vitalux-UV-Strahler (300 Watt).

 

Bodengrund verwende ich bei meinen jungen Leguanen generell nicht.

 

Mein Aufzuchtterrarium habe ich mit Zeitungspapier ausgelegt. Teilweise nehme ich auch Stücke vom Kunstrasen.

Die junge Leguandame Kiwi - Foto von Ruth & Volkmar Braun
Die junge Leguandame Kiwi - Foto von Ruth & Volkmar Braun

 

Die Zeitungen können (je nach Verschmutzungsgrad) innerhalb von kurzer Zeit ausgetauscht werden - das ist also eine sehr hygienische Sache.

 
Verschmutzungen (Kot etc.) werden mit ganz normalem warmem Wasser entfernt.

 

Desinfektionsmittel verwende ich hierfür nicht - das ist meines Erachtens auch nicht notwendig. Lediglich die Liegeflächen der Jungtiere reinige ich (1 x pro Woche) mit einem feuchten Lappen und Sagrotan-Konzentrat (1 Verschlusskappe Sagrotan-Konzentrat auf fünf Liter Wasser).

 

Die Luftfeuchtigkeit wird durch mehrmaliges tägliches Sprühen tagsüber auf ca. 50 - 60% gehalten. Nachts steigt sie auf ca. 70 - 85% an (abends kurz bevor das Licht ausgeht wird nochmals gesprüht).

 

Mit der Luftfeuchtigkeit muss man es meiner Meinung nach aber nicht übertreiben.

 

Wenn sie kurzfristig tagsüber mal bei 50% liegt und nachts (nur) auf 60% ansteigt, geht die Welt der kleinen Grünen Leguane auch nicht gleich unter.

 

Meine Jungleguane erhalten täglich für ca. 60 Minuten eine Bestrahlung mit dem UV-Strahler Osram Ultra-Vitalux (300 Watt) – Entfernung ca. 60 cm.

 

Dieser Strahler schaltet sich über eine elektronische Zeitschaltuhr am 12.00 Uhr an und um 13.00 Uhr wieder aus.

 

Dabei können die Leguane aber auch stets Ausweichplätze ohne UV aufsuchen

= Wichtig!

 

Man kann die Ultra-Vitalux durchaus auch am späteren Nachmittag nochmals für 1 Stunde einschalten.

 

Ob solche UVB-Strahler zur Vitamin-D3-Synthese der Tiere überhaupt notwendig sind oder nicht, ist ein Thema über das sich unzählige Terrarianer bereits über Jahrzehnte streiten. Ich bin der Meinung, dass eine Bestrahlung mit ultraviolettem Licht aus einem Abstand von ca. 60 - 100 cm sehr zum Wohlbefinden der Tiere beiträgt und deren Aktivität durchaus steigert.

 

Ein absolutes „muss“ ist eine künstliche UV-Bestrahlung meiner Ansicht nach bei Reptilien aber nicht. Dieses setzt allerdings voraus, dass man den Tieren Vitamin D3 (z.B. MultiMulsin oder Multibionta) in angemessener Dosierung über die Nahrung verabreicht.

 

Alle Leuchten/Strahler/Heizungen wurden von mir so abgesichert, dass die Jungtiere sie nicht erreichen können!!

 

Ernährung der Jungleguane: Bei mir erhalten die jungen Grünen Leguane im Prinzip dies gleiche abwechslungsreiche Futtermischung wie die erwachsenen Tiere (siehe Kapitel "Ernährung") – dieses Futter wird natürlich mit einer Haushaltsschere in entsprechend "mundgerechte" Happen zerkleinert. Man sollte seinen jungen Leguanen täglich so viel Futter anbieten, wie sie annehmen d.h. man sollte die Futterschüssel durchaus 2-3 mal am Tag wieder auffüllen.

 

Hinweis: Auf jegliche Nahrung mit tierischen Proteinen (Hunde- und Katzenfutter, gekochtes Ei, Heuschrecken, Grillen, Mehlwürmer, Heimchen, Wachsmaden etc.) habe ich bei der Aufzucht meiner "kleinen Grünen" komplett verzichtet!

 

Die verwendeten Vitaminpräparate (Gemisch 1:1 aus Vitakalk mit Calciumcitrat bzw. nur Calciumcitrat, *Multimulsin N) hingegen sind die gleichen wie bei den erwachsenen Tieren.

 

Nur die Dosierung ist natürlich eine andere (ca. ¼ Teelöffel Vitakalk-Calciumcitratgemisch bzw. nur ½ Teelöffel Calciumcitrat unter das Futter mischen / 1 x pro Woche zwei bis drei Tropfen *Multi-Mulsin bzw. Multibionta unter das Futter mischen).

 

Ab und zu schabe ich auch etwas Sepiaschale über das Futter bzw. stelle eine Schale mit zerriebener Sepiaschale direkt ins Aufzuchtterrarium damit sich die Jungtiere bei Bedarf selbst bedienen können.

 

* Anmerkung zu Multi-Mulsin N: Seit vielen Jahren ist das Vitaminpräparat Multi-Mulsin N leider nicht mehr im Handel erhältlich. Unter Bezugnahme von Empfehlungen einiger Pfleger v. Grünen Leguanen sollte man daher auf andere Vitaminpräparate ausweichen (die auf meinen Seiten erwähnten "Multibionta"-Tropfen sind inzwischen leider auch nicht mehr im Handel erhältlich).

 

Nähere Informationen findet man im Kapitel "Vitamine & Co." auf dieser Webseite.

 

Im Aufzuchtterrarium steht den Jungtieren auch ständig ein mit frischer Gartenerde gefüllter Napf zur Verfügung (diese soll sich günstig auf die Entwicklung der Darmflora auswirken) – bisher konnte ich die Jungleguane aber noch nicht bei der Aufnahme von Gartenerde beobachten.

 

Mit der oben beschriebenen Methode für die Aufzucht haben meine jungen Leguane bereits nach 10 - 12 Monaten eine stattliche Gesamtlänge

zwischen 65 - 80 cm erreicht.

 

Frühestens jetzt lassen sich in der Regel auch die Geschlechter voneinander unterscheiden!


Leguandame Kiwi bei der Häutung - Schnappschuss von Ruth & Volkmar Braun
Leguandame Kiwi bei der Häutung - Schnappschuss von Ruth & Volkmar Braun